Verschwörungstheorie! Geht das eigentlich

[Der Aufstand 32/24, Seite 9]
 Sahra Müller

Verschwörungstheorie!

Geht das eigentlich, dass man die Völker des Westens zentral steuert? Alle auf einmal? Vor allen Dingen die in Deutschland und den USA? Natürlich nicht, wird man sich denken. Das ist ja unmöglich. Und doch brachte mich ein junger Mensch auf die Idee, wie einfach das eigentlich ist, wenn man … die psychischen Defizite der Menschen ausnutzt. Gemeint ist: der gemeine Narzissmus. Aber Obacht: jetzt wird es kompliziert, denn – es geht um Taylor Swift, eine junge Frau, die ich noch gar nicht kannte. Sieht mittelmäßig aus, singt grottenschlecht, kassiert aber schon über eine Milliarde dafür, vermarktet von der üblichen Industrie, die nichts dem Zufall überlässt uns selbst aus jeder x-beliebigen Person einen Superstar machen kann – die Mechanismen sind bekannt. Radio, Zeitungen, Fernsehen berichten in Massen über den Superstar, den auch ab da jeder kennt – wie zufällig gehören die auch den gleichen Leuten, denen die Musikkonzerne gehören. Clever, oder? Jetzt haben alle die “Nichtse”, die “viel zu vielen”, die “Kosten auf zwei Beinen” ein Idol, dass stellvertretend für sie alles auslebt, was sie niemals haben werden – und um daran teil zu haben zahlen die bis zu 12000 Euro für eine Eintrittskarte – oder lagern zu Zehntausenden auf einem Hügel neben dem Stadion, weil es für eine Karte nicht ausreichte. Warum also sein eigenes Leben leben, wo es doch auch so geht?

Wie funktioniert das im Detail? Der Psychoanalytiker Hans Joachim Maaz hat das kurz und knapp beschrieben: Narzissmus ist eine Folge mangelnder Mutterliebe, die nie kompensiert werden kann. Im Ursprung eine Folge von Kriegen – weil die Mütter allein die ganze Last tragen müssen, während die Männer tot im Graben liegen, ist zu wenig Zeit für Kinder da. So wurde ein Herr Schicklgruber – besser bekannt unter seinem Künstlernamen Adolf Hitler – zum ersten Superstar der Moderne. Nach dem nächsten Krieg demonstrierten die Beatles und andere, welche Gewalt und Wucht solche Mechanismen entfalten können … und dann sprangen die Konzerne auf – und die Politik. Schicklgruber nutzte als erste die ganze Macht moderner Medien, flog mit seiner Ju 52 die ganze Zeit durch die Gegend, finanziert von … na ja. Freunden aus Übersee, wie man in dem Buch “Wer Hitler mächtig machte – wie britisch-amerikanische Finanzeliten dem Dritten Reich den Weg ebneten” (Perseus Verlag, Basel 2010) detailliert nachlesen kann.

Seit Anfang der achtziger Jahre haben die Konzerne gezielt mit der Produktion von “Stars” angefangen – erzählte mir ein Konzertveranstalter, der bitter meinte, seine ganzen Gruppen hätten nie mehr eine Chance auf irgendeinen Erfolg, wie kreativ, innovativ oder mitreißend sie auch sein mögen. Da werden Größennarzisten produziert, um “Größenklein-Narzisten” (nach Maaz) zu besänftigen – und ganze Völker werden so politisch gelähmt. Was soll man sich auch noch um die Ungerechtigkeiten der Welt kümmern, wo es doch dem eigenen Idol supergut geht?

Die Anziehungskraft solcher Idole ist enorm – darum hat der Herr Schicklgruber auch heute noch glühende Anhänger. Ihre lähmende Kraft für die breite Masse absolut vernichtend.

Zu phantastisch? Ich denke, man unterschätzt maßlos die Kraft und Intelligenz der “Think-Tanks”, die alles schon lange gedacht haben, bevor Otto Normalverbraucher überhaupt nur ansatzweise auf die Idee kommt. Schaut man sich die Besucher z.B. des “Google Camps” zum Thema Klima an – Orlando Bloom, Tom Cruise, Jonny Depp, Leonardo di Caprio, alles Leute, deren Kenntnisse der Klimatologie eher bescheiden sein dürften – so kann man erkennen, dass die Mächtigen schon genau um die politische Macht ihrer Idole wissen … obwohl die zur Problemlösung nichts beitragen können. Man braucht dafür keine große, hinterlistige Weltverschwörung – die psychischen Mechanismen wirken auch ohne sie. Man braucht nur etwas Kenntnis der normalen Nachkriegspsyche – schon läuft die Geschichte. Da “Mutterverletzungen” erst mal an die nächsten Generationen weitergegeben werden, ist der Fortbestand des Machtkomplexes gesichert – und wenn man ganz sicher gehen will, dann … setzt man sich eben spontan für die Berufstätigkeit der Frau ein, vordergründig im Namen der Emanzipation (natürlich nicht, was Macht und Geld angeht), hintergründig, um neue Generationen narzisstisch geprägter Nichtse zu erzeugen, die man vergleichsweise billig steuern kann – und so seine Ruhe hat vor Revolten, Umstürzen oder unangenehmen Fragen. Klappt übrigens auch mit Fußball und Sport. Was soll es mich schon aufregen, dass schon wieder alles unnötig teurer wird, wo doch mein Verein in die erste Liga gekommen ist!

Ein Trauerspiel, eigentlich.

Und wie kann man ihm entkommen? Nun – erst mal gar nicht, bevor die Nichtse nicht verstehen, in welchem Umfang ihnen ihr eigenes Leben gestohlen wird. Das merken sie meist erst am Sterbebett – und da ist es für politisches Handeln zu spät. Und selbst wenn sie das verstehen: die andere Seite ist erst mal übermächtig. Man würde Zeit und Geduld brauchen. womöglich für die übernächste Generation handeln müssen, ohne selbst was davon zu haben – undenkbar für den Spaßkonsumbürger der Gegenwart. Frühere Generationen haben da dankenswerterweise noch anders gedacht – sonst würden wir noch auf Bäumen leben.

Oder?

Und jetzt – zurück zum Sport. Also – dem Sport unserer offiziellen Vorturner. Selbst macht man ja auch da weniger – so wie man weniger schreibt, musiziert, malt, gestaltet, diskutiert und überhaupt aktiv und kreativ ist.

Oder?

Der Eifelphilosoph

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Von Redaktion

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